von Diakon Joachim Hilgert anlässlich der Hubertusmesse im Dom zu Limburg
Eines der schönsten Bücher über den Wald und die Jagd, die ich kenne, ist die sogenannte Forstmeisterchronik von Wolfgang Frank: Verklungen Horn und Geläut.
Längst vergangene Zeiten werden so lebendig, dass man glaubt, sie selbst erlebt zu haben. Frank schildert das Leben des Forstmeisters Mueller–Darß, der auf dem Darß vor der Pommerschen Küste am Anfang des 20. Jhrts. In einem Wildparadies aus Wald, Heide und Dünen lebte. Auch der Vater war Forstmann und hatte ein Leben lang von der Stelle geträumt, die sein Sohn nun erhalten hatte. Kurz vor seinem Tod besuchte er den Sohn und sie suchen einen der schönsten Orte im Revier auf. Es ist eine Buchenhecke am Darßer Westrand, deren Laub goldrot ist. Vater und Sohn haben von hier aus einen Blick über die Unendlichkeit der Ostsee und sie genießen die Stille des Augenblicks. Da beginnt der alte Mann zu sprechen und sagt: „Weißt Du, was ich mich gefragt habe, wenn ich im Wald nicht weiter wusste? Wie haben die Alten von damals hier diesen hundertjährigen Bestand gemacht?“ „Die Antwort kommt bald“, sagt der alte Mann. „Sie liegt immer in der Nähe der Ehrfurcht. Man muss nur lange genug leben, dann wird man bescheiden und geduldig und sieht, wie rasch Theorien vergehen, wie wenig der Mensch vermag, wie sich die Natur ihr Recht nimmt. Alles geht vorbei. Nur, was immer gut war, was in Gottes Ordnung wächst, bleibt.
Viele reden heute von Natur und Schöpfung, vor allem viele benutzen die Natur und ihre Ressourcen und vergessen, dass sie selbst ein Teil der Natur und der Schöpfung sind. Ich glaube, das ist die größte Krise unserer Zeit, dass Menschen immer mehr das Gespür dafür verlieren, dass sie die Fundamente ihres eigenen Lebens für sich und ihre Kinder zerstören.
Diese Krise hat eine lange Geschichte, sie beginnt schon im Mittelalter. Im Mittelalter ist es der Hl. Franziskus von Assisi, der die kommende Entwicklung spürt. Er spürt den Aufbruch der sog. Moderne, in der der Mensch zum Mittelpunkt und zum Maß aller Dinge wird.
In seinem Sonnengesang preist er Sonne und Mond, Wind, Erde und Sterne. Gelobt seist du mein Herr mit all deinen Geschöpfen vor allem durch Bruder Sonne.... Gelobt seist du mein Herr, durch Schwester Mond und die Sterne. (Im Italienischen ist Sonne männlich und Mond weiblich.) Das ist keine Romantik, in Himmel und Erde Geschwister zu sehen. Man könnte das ja meinen. Wer ahnt, dass die Schöpfung uns ganz nahe ist, weil sie und wir von einem Schöpfer geschaffen sind, der ist Realist! Nur der liegt falsch, der meint, die Schöpfung sei nur Umwelt und Material für die eigene Selbstverwirklichung.
Der ganze Fortschrittsoptimismus, der Drang nach mehr Konsum ist nicht nur unmoralisch, sondern auch wirklichkeitsfremd. Wir bekommen es ja jeden Tag mehr zu spüren „die Antwort liegt immer in der Nähe der Ehrfurcht“ sagte der alte Mann. Wir müssen die Ehrfurcht wieder lernen.
Was für eine Chance für Forstleute und Jäger. Sie können, weil sie ganz nah an der Natur sind, mit wachen Sinnen das vernehmen, was die Natur ihnen sagt. Nur das dürfen sie nicht für sich behalten, das müssen sie weitergeben an die Jungen, die noch ein ganzes Leben vor sich haben. Das Übel beginnt immer mit der falschen Theorie. Deshalb müssen wir die Theorie ändern! „Wie rasch vergehen Theorien, wie wenig vermag der Mensch, alles geht vorbei, nur was immer gut war, , was in Gottes Ordnung wächst, bleibt.“ sagte der alte Mann.
Das gilt übrigens nicht nur für Wald und Flur, das gilt für das ganze Leben. Amen.
