CHRONIK: 1925—2000
75 Jahre Jagdklub Limburg e.V.
Die
Gründung
Limburg 1925. Der 3. November, Hubertus, Tag des Schutzpatrons der Jäger und des Schützers gegen Hundebiss und Tollwutverletzungen, (so belegt seit dem 10. Jahrhundert) war in rund 4 Wochen zu feiern. Heute war Mittwoch, der 7.Oktober. Limburger Jäger und bekannte Jagdfreunde aus der näheren Umgebung saßen dichtgedrängt, Pfeifen und Zigarren rauchend in ihrem Stammlokal, dem Roseneck.
Jäger und Roseneck — diese beiden Begriffe waren rein gefühlsmäßig zu einem einzigen zusammengewachsen, denn nicht nur mittwochs — täglich trafen sich dort Limburger Jäger, pünktlich um 18 Uhr. Zusätzlich und mehr als häufig schon zum Frühschoppen um 9 Uhr. “Sagenhaft!“ entfuhr es dem Chronisten, als miterlebende Zeitgenossinnen, die über das Wohin ihrer Ehemänner sehr genau Bescheid wussten, diese Fakten auf Band sprachen. Wie war das möglich? Die Antwort auf diese Frage bedarf einer Situationsanalyse der Stadt zwischen Taunus und Westerwald, speziell zu der ersten Hälfte der zwanziger Jahre. Limburg war von alters her ein bedeutender Handels- und Gewerbeplatz im Zentrum des Limburger Beckens, Verkehrsmässig günstig an einer Lahnfurt, später Lahnbrücke im Schnittpunkt wichtiger Handelsstraßen, später auch Bahnlinien = Handelsstraßen auf Schienen gelegen, bedeutend jeweils im Maßstab der betrachteten Zeit. Diese günstige Lage mit überdurchschnittlich grossem Einzugsgebiet ist die Ursache für die spezielle Zusammensetzung der Limburger Bevölkerung und die wirtschaftliche Stabilität der Stadt. Das im 14. Jahrhundert von Tilemann Elhen von Wolfshagen (1348— 1420) in seiner kulturpolitisch besonders ergiebigen mittelalterlichen Stadtchronik beschriebene reiche, blühende Leben hat sich im grossen und ganzen, dem wirtschaftlichen Auf und Ab der Zeitläufe folgend, in relativer Beständigkeit erhalten. Reich und blühend soll hier nicht im Sinne von lauter, prunksüchtiger Äusserlichkeit, sondern mehr als auf dem Gefühl wirtschaftlicher Sicherheit beruhende, wohlhabende, gediegene Bürgerlichkeit mit einem Schuss von genießerischer Behäbigkeit verstanden werden. Das wird verständlich, wenn man die Zusammensetzung der Limburger Bevölkerung betrachtet, wie sie ein Verwaltungsbericht der Stadt für das Jahr 1925 beschreibt:
Arbeiter
1087 = 24,7%
Angestellte und Beamte
2371 = 53,8%
Gewerbetreibende
805 = 18,3%
Freie Berufe (hier bes. Arzte u. Juristen) 144 = 3,2%
4407 = 100%
Es waren 355 Kraftfahrzeuge (Kfz) angemeldet. Das bedeutet: 1 Kfz pro 33 Einwohner (E). Der Reichsdurchschnitt 1925 betrug 1 Kfz pro 148,5 E, d.h. in Limburg war die Motorisierung 4,5 mal stärker ausgeprägt als im Rest des Reiches.
¾ der Berufstätigen gehören zu den sog. wohlhabenden Bürgern, deren finanzielle Möglichkeiten im Wechsel der Konjunkturen und Krisen eine verhältnismäßige Stetigkeit aufweisen. Es besteht Grund zu der Annahme, dass dieser Anteil — mit gewissen Schwankungen innerhalb der Gruppe — über Jahrhunderte relativ konstant war.
Nach diesen Erkenntnissen lässt sich die eingangs gestellte Frage leicht beantworten: Limburger Jäger aus der Gruppe der Kaufleute und der freien Berufe konnten so über ihre Zeit verfügen, wie es ihrer Neigung entsprach.
Trotzdem nahmen die schlauen Füchse gewisse verschleiernde Rücksichten auf ihr Image. Amüsant folgende, verbürgte Geschichte:
Es
war wochentags um 17.45 Uhr. Im Verkaufsraum des Geschäftes waren Chefin, Verkäuferinnen
und Kunden noch im regen Wechselgespräch. Da sprach er für alle deutlich
vernehmbar: “Ich gehe jetzt in die Annakirche (Die steht gleich nebenan).
Sagt‘s und verschwand. Eine Frau unterbricht ihren Redefluss, schaut völlig
erstaunt zur Chefin und sagt: “Ist der Heubach so fromm?“ Der Stephan
Heubach aber war nicht um die Ecke, sondern geradeaus gegangen. Pünktlich um 18
Uhr erschien er am Jägerstammtisch im Roseneck.
Leidlich
hatte man die Krise nach dem verlorenen 1. Weltkrieg, die Inflation, die
Rentenmark (Okt. 1923) überstanden und befand sich mit der Reichsmark (1924) im
Zuge ausländischer Anleihen zum Wiederaufbau der Industrie im wirtschaftlichen
Aufschwung! Die Zigarren im Roseneck konnten wieder eine Nummer dicker, der
Pfeifentabak zwei Stufen besser gewählt werden.
Der
in gewisser Weise exklusive Limburger Jägerstammtisch —
exklusiv nicht im Sinne elitärer
Auswahl nach gewusstem oder geschätztem Mindesteinkommen, sondern exklusiv mit
dem Maßstab “Jagdliche Passion“; der neue Mann musste seiner Persönlichkeit
nach und aufgrund seiner echten jägerischen Eigenschaften in den bestehenden
Kreis hineinpassen —dieser
Jägerstammtisch hatte für den 7. Oktober 1925 seine Mitglieder und nach
Aussage unseres Klubmitglieds Luitpold Schmidt, der als 23-jähriger zu den
Mitgründern gehörte, auch befreundete Jäger aus der näheren Umgebung
geladen, um einen Verein zu gründen. Der Jagdschutzverein Nassau bestand schon
und die Zeit für eine Limburger Gründung war ganz einfach reif. Man traf sich
ohnehin ständig im Roseneck, erzählte sich Jagderlebnisse, diskutierte über
jagdliche Fragen, wetteiferte im Besitz und in der Abführung guter Jagdhunde,
ging gemeinsam zum Schiessstand “Teufelskaut“ an der Seilerbahn und in
kleinen Gruppen zur Jagd in Limburg und benachbarten Revieren, liess die
heimischen Geschäfte laufen — sie liefen ja mit
Hilfe der Frauen und des Personals fast von selbst — widmete sich mit
Eifer, Lust und Wonne all dem, was mit der Jagd zu tun hatte, und kümmerte sich
nicht im geringsten um Politik. Die persönlichen Belange und Fragen wurden
kameradschaftlich behandelt, ausdiskutiert, Lösungen zugeführt — man traf sich ja oft
genug — hartnäckige
Meinungsverschiedenheiten hielten maximal 3 Monate an, dann waren auch sie
beigelegt — alles
lief seinen guten, interessanten Gang. Man hatte keine Veranlassung, etwas
aufzuschreiben.
Die
beabsichtigte Vereinsgründung kann demnach nur den Zweck gehabt haben, privat
Bestehendes in eine offizielle Form zu bringen. Die etwa 30 anwesenden Jäger
beschlossen, ihrer Vereinigung den Namen “Jagdklub Limburg e.V.“ zu geben.
Die
Rechtsfähigkeit des Klubs als juristische Person durch Eintragung in das
Vereinsregister beim Amtsgericht Limburg dürfte auf Drängen prominenter Jäger
wie Landgerichtsrat Hans Sammet und Staatsanwalt Albert Schmidt, genannt
“Bertz“ hergestellt worden sein.
Jedenfalls
ist auf dem Emblem des Klubs:
Ein
an den Hinterläufen mit einer doppelten Schnur aufgehängter Hase vor einer
Ringscheibe. Auf einem Band umlaufende Schrift in serifenlosen Linear-Antiqua
Großbuchstaben: JAGD-KLUB-LIMBURG E.V., auf der rechten Seite, durch Fichtenund
Eichenlaubzweig mit 2 Eicheln unterbrochen, GEGR. 7. Okt. 1925. Eine
Holzschnitzerei als Flachrelief in Ellipsenform mit den Abmessungen: Vertikale
Achslänge = 35,5
cm, horizontale Achslänge = 26,5
cm, das im Jahre 1926 hergestellt worden sein soll, unübersehbar das E.V.
eingeschnitzt.
Nach
Luitpold Schmidt übernahm der Augenarzt Dr. Uhthoff den Vorsitz, den er bis
1939 inne hatte.
Ziel
des Klubs war die kameradschaftliche Kooperation auf jagdlichem,
jagdkynologischem und geselligem Gebiet. Eine schriftliche Klubsatzung soll später
ausgearbeitet worden sein. Sie konnte bis heute nicht aufgefunden werden. Möglicherweise
ist sie in den Bombennächten am Ende des 2. Weltkrieges den Weg so vieler
Sachwerte gegangen. Die Klubgründung fiel den Initiatoren offenbar wie eine
reife Frucht in den Schoß. Vielleicht deshalb oder/und aus purer Freude über
das Gelingen soll der Junggeselle und Mitinitiator Staatsanwalt Albert Schmidt
“Bertz“ die ständig trockene und heisere Kehle mit 35 bis 40 Bierchen
fortlaufend gekühlt haben.
Hubertus stand bevor. Man beschloss den Tag außer durch die schon traditionellen Hubertusjagden mit 7 bis 10 Schützen in den einzelnen Revieren zusätzlich in einer abendlichen Hubertusfeier würdig zu beenden. Leider fehlt ein Bild dieser ersten Klub-Hubertusfeier. Erst im folgenden Jahr hatte man den Mut, das Ereignis dokumentarisch festzuhalten.
Es kann mit hoher Wahrscheinlichkeit angenommen werden, dass auf dem Klubbild der Hubertusfeier vom 3.11.1926 alle Gründungsmitglieder abgebildet sind. Bemerkenswert die Anwesenheit von vier stolzen Hunden und nur einer Frau — der Wirtin. Die Jagd war zu dieser Zeit reine Männersache. (FOTO ANSCHAUEN)
Der
erste Vorstand bestand aus Dr. Uthoff, Albert und Josef Schmidt. In der Satzung
wurden die Grundsätze, Pflichten und Rechte der Waidmänner festgesetzt. Das
waidgerechte Jagen, Hege und Pflege, Kameradschaft und Geselligkeit standen
obenan. Die Gesetze aber waren zu jenen Zeiten nicht so streng wie heute. Dem
Klub gehörten von Anfang an Mitglieder der verschiedensten Berufsgruppen an. Es
war kein Herrenklub, die “kleinen Leute“ bildeten das Gerippe. Neben Dr.
Uthoff, Staatsanwalt Albert Schmidt (“Bertz“) und Vetter Josef Schmidt (“Baaf“)
rangierten in vorderster Reihe: Dr. Wenzel, Laibach, Ohlenschläger, Sammet,
Jung, Dr. Kurtenbach, Dr. Meuser, Luitpold Schmidt, Deidesheimer, Langschied,
Abel, Hellbach, Diener, Beeres, Dr. Reitz, Heymann, Schneppendahl, Oswald
Scherer und Ohl; alles Jäger, die einen Ruf hatten, denen Hege und Pflege des
Wildes höhere Verpflichtung als Schiessen war.
Die
Blütezeit wurde 1933 unterbrochen, und 1934 musste sich der Klub auflösen. Die
Mitglieder wurden zwangsweise in die “Deutsche Jägerschaft“ überführt. Für
die alten Jäger war das schmerzlich, eine trostlose Zeit. Nach aussen hin war
man zwar formell aufgelöst, sonst aber hielt man eisern zusammen. Man traf
sich, hielt Tuchfühlung, blieb im Herzen einfach Jäger. Als sich die Verhältnisse
nach 1945 zu konsolidieren begannen, da waren die Grünröcke wieder die ersten,
die danach strebten, den Jagdklub wieder aufleben zu lassen.
Neugründung
Wo
ein Wille ist, findet sich bekanntlich auch ein Weg. Am 15. November 1947 war es
soweit. Der alte neue Klub wurde konstituiert. Spontan übernahm Dr. Heinrich
Kurtenbach den Vorsitz. Ihm folgte Dr. Meuser und danach Rechtsanwalt
Hartenstein. Von 1955 bis 1967 führte Josef Schaden den Klub. Nach seiner
Amtsniederlegung wählte die Versammlung Oberforstmeister Hans Mattlener. Vier
Jahre lang, von 1971 bis zum 50. jährigen Jubliäum, übte Philipp Boller das
Amt des Vorsitzenden aus, bis er aus Gesundheitsgründen sein Amt abgeben
musste. Mit absoluter Stimmenmehrheit wählte die Jägerschaft im Frühjahr 1975
den bisherigen Zweiten Vorsitzenden, Heinz Lupus, zum neuen Vorsitzenden, der
dieses Amt bis zum seinem Tode inne hatte.
Nach dem Tode des Vorsitzenden Heinz Lupus im Jahre 1979 übernahm der damalige 2. Vorsitzende Günther Fröhlich die Führung des Jagdklub Limburg. Von den bisher neun Vorsitzenden übte er das Amt am längsten aus, nämlich bis zum 27. März 1998. Darüber hinaus hatte er von 1971 bis 1979 ein Amt im Jagdbeirat des Kreises inne. 1992 gehörte er zu den Gründungsmitgliedern der Naturlandstiftung Hessen im Kreis Limburg-Weilburg und seit 1985 ist er Mitglied im Arbeitskreis der Naturschutzverbände des Kreises. 1993 wählte ihn das Präsidium des Landesjagdverbandes Hessen in seine Reihen, von 1989 bis 1997 war er Vorsitzender des Niederwildausschusses im UV.
Unter seiner Stabführung hat der Jagdklub Limburg vielfältige Anerkennung erfahren, sei es durch das Bläserkorps, dem er viele Jahre angehörte oder die Öffentlichkeitsarbeit und Neuanpflanzung von Feldholzinseln und Streuobstwiesen. In Würdigung seines 20-jährigen Engagements für Naturschutz und Hege überreichte Landrat Dr. Manfred Fluck anlässlich der Jahreshauptversammlung dem 70-jährigen, von der Versammlung neu ernannten Ehrenmitglied den Landesehrenbrief. Zum neuen Vorsitzenden des Jagdklub Limburg wählte die Jahreshauptversammlung 1998 einen Vertreter der jüngeren Generation, den 46-jährigen Forstamtsrat Michael Schales. Neuer 2. Vorsitzender wurde Dipl. Ing. Josef Weismüller.
Auch bei der Jungjägerausbildung hatte unser “August“ Hörle, wie wir ihn liebevoll aber mit Respekt nennen, erfolgreich gearbeitet und unzähligen Jungjägern die ersten jagdlichen Schritte beigebracht.
Fünf Dozenten führen heute die Unterrichtung der Jungjäger fort; die Erfolge vor dem Prüfungsausschuss in den letzten Jahren können sich sehen lassen.
Manfred Haßdenteufel obliegt als Schießobmann zusammen mit seinen Helfern die Organisation des Schießbetriebs und der Klubmeisterschaften auf dem Schießstand Bad Camberg.
Das
Bläserkorps des Jagdklub liegt in den bewährten Händen von Hornmeister
Dietmar Wilhelm. Verantwortlich für das Hundewesen ist Bernd Hofmann, der
zusammen mit seinen Jagdkollegen und den Jagdgebrauchshundeverein “Nassau“
für Ausbildung und Prüfung unserer Jagdhunde verantwortlich ist.
Natürlich
tragen auch die Mitglieder des Vorstands und die Vorstände der Hegeringe -
manche versehen ihr Ehrenamt schon seit zwei Jahrzehnten - dazu bei, den
Jagdklub in der Öffentlichkeit zu präsentieren und unser gemeinsames Anliegen,
die Jagd, immer wieder mit Leben und Sinn zu erfüllen.
Mögen auch in Zukunft engagierte und passionierte Mitglieder sich bereit finden im Jagdklub Limburg Verantwortung zu übernehmen.